Frank Schätzing: Der Schwarm/ 2.Etappe (5. bis 18. April)

original Thema anzeigen

03.12.05, 12:29:15

Tommy Gärtner

geändert von: Tommy Gärtner - 03.12.05, 12:29:38

Hier kann - wer will - ja schon einmal seine nächsten Leseeindrücke mitteilen.

:)
05.12.05, 10:16:50

Elek...tra


Ja, dann mache ich mal den Anfang.
Was sagt ihr zu dieser Textstelle (Gespräch Anawak/ Delaware) auf der Seite 101, 5. April(?):

Zitat:
"Es war nicht meine Theorie. Es war die Theorie von..." "Am besten halten Sie einfach möglichst lange den Mund."


Ich habe mir ein großes Fragezeichen an den Seitenrand gemalt... Anawak ist doch Wissenschaftler... ich empfinde diese Stelle irgendwie als eine Art Bruch zu dem Bild, das ich mir vorher von ihm gemacht habe.

Liebe Grüße von

Elek...tra



05.12.05, 10:19:32

Tommy Gärtner

geändert von: Tommy Gärtner - 05.12.05, 10:20:23

Da hier verschiedene Textausgaben im Spiel sind: die 2.Etappe geht vom 5.April bis hin zum 18.April. Aber nicht einschließlich, sondern nur ran an den 18.April. Also: bis der 18.April anfängt. Sozusagen: bis zum 17. April, 23:59 und 59 Sekunden. Eine Sekunde, bevor der 18.April beginnt.

:)



05.12.05, 11:00:33

Tommy Gärtner

Es ist für mich gar nicht so abwegig. Die Szene im Aquarium hatte ihn ja ziemlich angekratzt und sein Selbstverständnis als Wissenschaftler in Frage gestellt. Es fiel mir bei dieser Gelegenheit schon auf, wie irrational und autoritär er reagierte (das entsprechende Zitat findet sich in der 1.Leseetappe), und die Vermutung lag nahe, daß Alice Delaware mit ihrer kritischen Nebenbemerkung vielleicht einen wunden Punkt getroffen hat. Das scheint sich jetzt durch solche Textstellen weiter zu bestätigen.

Die Wale benehmen sich ja auch seltsam, was am Ende vom 18.März geschildert wird (die Beobachtungsszene- der Beobachter wird zum Beobachteten), also zunehmend unverständlicher für Anawak. Da sind dann solche Infragestellungen, verkörpert in der Figur der Alicia Delaware, Gift fürs Selbstverständnis, zumal an diesem Selbstverständnis ein ganzes Weltbild hängt (auch das wird aus dem Zitat im Aquarium deutlich).
05.12.05, 17:06:51

LIH

Ist Anawak nicht insgesamt als ein zerrissener Charakter angelegt, der seine innere Orientierung ausschließlich über seinen Beruf finden will, der seine indianische Herkunft verleugnignoriert und doch so sehr daraus kommt und so viel darüber weiß, der Gefühle überspielt und sich von ihnnen bestimmen lässt, Eigenes darzustellen weiß und kann, aber das anderer vorträgt?
Deswegen für mich kein Bruch.
;)In dieser Weise humorvoll ihr Nachname, die letzte Mohikanerin, die weder er noch sie sind.
Gruß
LIH
05.12.05, 17:19:13

Elek...tra

Zitat:
zumal an diesem Selbstverständnis ein ganzes Weltbild hängt (auch das wird aus dem Zitat im Aquarium deutlich)


... ja, das könnte die Textstelle erklären. Ich habe beim Lesen sofort gestutzt und dachte, was ist denn jetzt mit ihm los?

Wenn Schätzing dieses Innehalten und Nachdenken bezweckt haben sollte, so ist es ihm bei mir gelungen! ;)

Ich frage mich übrigens außerdem, warum dieses Buch so extrem viele Seiten haben muss?

Das ist eine regelrechte Informationsflut, ich würde sogar schon sagen Informations-Überflutung!! Aber das passt ja in die heutige Zeit... ;)

Lieben Gruß von

Elek...tra

05.12.05, 22:47:37

LIH

Und diese Aquariums-Stelle gehört zu denen, bei denen ich dachte, vielleicht schafft er es ja doch noch mich zu überzeugen, alle Seiten zu lesen. Aber wie beim Inder im Barmen gesagt: Über die Wissenschaftlichkeit vergisst er zu häufig eine Geschichte zu erzählen.
:)
LIH
05.12.05, 23:14:07

Sternenstaub

Anawak ist einer der ganz wenigen Männer, die mich in dem Buch überzeugen!
06.12.05, 17:02:21

Elek...tra

... so und nun komme ich zu der Textstelle, die mich ganz extrem an den Weißen Hai erinnert hat:

Zitat:
"Noch während Anawak den Toten anstarrte, wurde ihm bewusst, warum der Körper so leicht war. Er endete dort, wo die Taille gewesen war. Beine und Becken fehlten. Aus dem Torso baumelten tropfend Fleischfetzen, Arterien und Gedärme."

(Seite 157)

Ich lag abends allein im Bett, als ich das las... was ich in der Nacht träumte, könnt ihr euch bestimmt denken... :alb:

Lieben Gruß von

Elek...tra

06.12.05, 17:23:24

LIH

Da stimme ich dir zu, Elektra. Doch auch hier versucht Schätzing zu glänzen:
Zitat:
..., wo die Taille gewesen war. Becken und Beine fehlten. Aus dem Torso ...
und dadurch wird es auch fast komisch: Warum fehlen nur Becken und Beine? Was ist mit den Teilen der Wirbelsäule? Wurde die nicht durchgebissen? Hat der Wal zwar die Venen gefressen und die Arterien drin gelassen? .....
;)Bei der Verfilmung wird es solche Probleme nicht geben.
:rolleyes:
LIH
06.12.05, 18:54:13

Nifl

Zitat:

Ich frage mich übrigens außerdem, warum dieses Buch so extrem viele Seiten haben muss?

.... ich ganz ehrlich gesagt auch. Die Detailversessenheit ist schon extrem. Musste der Besuch in Kiel sein ? Hätte das nicht ein Telefonat oder ein Brief sein können ?

Geschickt findet er immer wieder Statisten, die eine einfache Erklärung brauchen. Den Koch (Freund von Lund) , Journalisten, Studenten / Schüler ... bin gespannt , was ihm noch einfällt.

Apropos "Weißer-Hai" .... absolut überzogen fand ich die dramatische Rettung des Jungen .... *stöööööööhn
10.12.05, 11:57:52

Tommy Gärtner

geändert von: Tommy Gärtner - 10.12.05, 13:13:11

In der Hörbuch-Version, die ich parallel höre, mußte Schätzing gewaltig kürzen. Obwohl sie 10 CDs umfaßt, war es notwendig, den Roman auf ein Viertel zu kompromieren. Da fällt doch einiges Hochinteressantes unter den Tisch, zugunsten des reinen Handlungsextrakts. Etwa die hochinteressante Diskussion der behaviouristischen Position (Povinelli-Gallup) in der Primatenforschung, was schon ein Verlust darstellt, wie ich finde. Die wissenschaftlich-philosophischen Diskurse und Exkurse empfinde ich gar nicht so sehr als schmückendes Beiwerk, das ruhig ausgespart werden könnte, sondern spannender als die reine "action" (etwa der Walangriff, den Schätzing natürlich im Hörbuch ähnlich wie im Buch ausführlich schildert.)
11.12.05, 12:05:24

Nifl

geändert von: Nifl - 11.12.05, 12:07:47

Frank Schätzling hat einen Hang zum Trivialen. Die Bootszene mit Lund hat mir die Fußnägel hochgerissen. Holzschnitt. Er hat krampfhaft versucht, die Figuren aufgeklärt "lavieren" zu lassen. Bei mir kam aber weder die Anziehung, noch der plötzliche Vernunftblick rüber. Vielleicht auch, weil ich mich über den Blödsinn aufregen musste, dass man nach Wochen in ein Boot einsteigt und weinselig romantisiert losschippern kann.
Wer hat das Wasser geschöpft ?
Außerdem kenne ich niemanden, der einen Außenborder am Boot gammeln lassen würde ... und wenn ja, dann springt das Teil garantiert nicht an. (falls er nicht sowieso geklaut wurde) ... und dann setzt er sich noch auf den nassen Boden *iiiiiiihhhhh
20.12.05, 00:18:53

LIH

*staun*
Sohnemann (14) erklärt sich ab Seite 200 zum bekennenden Nicht-Weiter-Leser.
Auf meine Frage warum: "Langweilig."
20.12.05, 13:51:51

Charly

geändert von: Charly - 20.12.05, 13:52:17

Hallo Leute,
ich bin noch da. Aber ich bin privat etwas viel beschäftigt. Ich komme noch nicht einmal zum Lesen. Ich hoffe auf eure Nachsicht - werde auf jeden Fall zumindest in das Buch reinlesen, also die erste Etappe auch kommentieren.

19.02.06, 18:16:32

Charly

Es zieht sich.

Aus Anawak schlau zu werden fällt mir schwer.

"Es war nicht meine Theorie. Es war die Theorie von..." "Am besten halten Sie einfach möglichst lange den Mund."

Um auf diese Stelle zurück zu kommen – da bin ich auch gestolpert. Verträgt sich nicht mit dem Anawak, den er vorher geschildert hat. Mit einem Indianer oder Eskimo.

Mittlerweile kommt etwas Spannung auf. Aber so richtig funzt es nicht. Ja gut – das Schicksal von Jérôme ist tragisch.

Lund beziehungsweise Johanson oder auch beide spielen etwas, was man noch lange spielen kann.
Wozu? Es bringt doch die Geschichte nicht weiter – oder ist es später noch von Bedeutung?

 
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