27.11.05, 12:31:44
Charly
Hallo Leute,
da sich die aktuelle gemeinsame Lesung (Der Schwarm von Schätzing) entwas hinzieht (komme selbst erst Ende der neuen Woche dazu reinzulesen), aber es doch aller Wahrscheinlichkeit nach schon einige (rein-) gelesen haben, soll hier schon mal die Gelegenheit geboten werden erste Einschätzungen abzugeben.
Ich denke die Einteilung sieben Tage im Buch = sieben Leseabschnitte (Etappen) dürfte in Ordnung sein - oder?
27.11.05, 13:28:46
LIH
geändert von: LIH - 28.11.05, 11:58:10
:) Ist eine sehr schöne Lektüre (Sprache, Aufmachung usw.), am ersten Tag dachte ich über den Protagonisten immer nur: "Mein Gott, der Typ ist ja sowas von selbstverliebt, ..... Der sollte mal einem begegnen, der ihn von seinem hohen Roß holt." Diese Charaktereigenschaft ist wunderbar rausgearbeitet. Gegen Ende wird dann auch anderes angedeutet.
Gruß
LIH
01.12.05, 05:40:29
LIH
Färttisch.
Ohne mehr zu verraten:
Unheimlich gerne gelesen, spannend, voller Überraschungen, Unverfrorenheiten, die gefrieren machen, eine Woche Nachtfahrt im Leben eines Mannes - eines normalen Mannes?
;)
Kann ich nicht beurteilen,
bin eine Frau.
:rolleyes:
LIH
01.12.05, 10:51:02
Tommy Gärtner
Ich teile LIHs Eindruck, daß Wagner seinen Ich-Protag als narzißtische Perspektivfigur einführt. Ganz charakteristisch empfinde ich die Roulettetischszene, wo überdeutlich wird, wie sehr er es genießt, im Mittelpunkt zu stehen, sich als Ich zu inszenieren. Das Ergebnis der Kugelrollerei tritt vollständig in den Hintergrund ("es interessiert mich nicht, wie die Zahl lautet, es interessiert mich wirklich nicht" -S.14). während die Reaktionen der Zuschauer Gegenstand akribischer und detaillierter Beobachtungen werden.
"Den junge Mann, so scheint es, trifft fast der Schlag, sogar der Fette im gelben Anzug ist so weit nicht gegangen. Ich lächele, fühle mich gut."
"Ich errege einiges Aufsehen..."
"...ein erregtes Raunen geht um den ganzen Tisch, von anderen Tischen kommn Neugierige. Die junge Frau an der Schulter des Fetten schaut mich an, mit großen Augen..."
"Ansonsten liegt nichts auf dem Tisch, so fixiert sind die anderen auf mich...."
"....die Leute sehen hinterher, ich bin die Sensation des Abends..."
An der Art der Beschreibung der Raumatmosphäre wird das Ausmaß des Lustgewinnes deutlich, den der Protag aus dieser Selbstinszenierung bezieht, auch die Abhängigkeit des eigenen (schwachen?) Ichs vom Aufmerksamkeitspegel des zuschauenden Publikums. Die Ich-Perspektive als textgestaltendes Prinzip scheint mir als sinnvollste Möglichkeit, um diesen Sonderfall von Narzißmus angemessen darzustellen; es wird auch schon rasch deutlich, daß der Ich-Protag nicht ganz rund läuft. ("Den ich hätte ermorden können, ohne jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden. Ich schenkte ihm das Leben." -S.9)
25.01.06, 20:51:38
Nifl
Ich habe die ersten Seiten genossen .... nach dem Schätzing. Locker und luftig liest sich der Text. Genau das brauche ich jetzt. Die kurzen Sätze im Präsens (mag ich eh... hat was Expressionistisches).
Ein paar Ausrutscher sind dabei ... eine Dusche wird "angeschaltet" und die Frau des Schauspielers setzt sich klatschnass auf die Couch.
Zitat:
Ganz charakteristisch empfinde ich die Roulettetischszene, wo überdeutlich wird, wie sehr er es genießt, im Mittelpunkt zu stehen, sich als Ich zu inszenieren.
Ja, der Ich-Erzähler ist offensichtlich pathologisch. Schön finde ich, wie sich das Lachen immer wieder nach oben drängt ... bei völligem Kontrollverlust. Der Irrsinn ist mE. gut dargestellt.
Was Tommy da anspricht, sehe ich allerdings auch als unschlüssigen Figurenbruch.
Wenn ihm sein ganzes Vermögen egal ist, wenn ihm egal ist, einen Unfall zu bauen, wenn ihm egal ist, im Schlafzimmer erwischt zu werden, wenn ihm egal ist, den Auftrag zu verlieren usw. und so fort ... dann finde ich es unglaubwürdig, dass er es genießt "der Held" zu sein.
Gut gefällt mir die übergenaue Beobachtung des Erzählers (was ja auch einen gewissen Wahnsinn anklingen lässt) ...
Noch lese ich das Buch gerne, obwohl es eigentlich keinen klaren Konflikt gibt.
Die Tabu- und Grenzenlosigkeit baut Spannung auf. Ich will wissen was nun mit dem Kerl los ist. Wagner geht ja schon ein Risiko ein, indem er den Protag nicht wirklich sympathisch aufbaut. Aber das das auch klappen kann, wissen wir ja schon von "das Parfüm" *g