(Texte) Weben mit Emotionen

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10.02.08, 16:04:45

Elek...tra

Können Texte bestimmte Gefühle transportieren, die jeder Leser gleich empfindet? Wir möchten einen "Selbst-Test" starten.

Stellt euch ein Gefühl (Freude, Glück, Trauer, Wut,...) vor und schreibt dazu einen Prosa- oder Lyrik-Text. Benennt das Gefühl nicht und lasst die Leser herausfinden, welche Emotion der Text transportiert.

Spannend ist sicherlich auch, ob das vom Autor auf den Weg geschickte Gefühl beim Leser ankommt.

10.02.08, 16:27:20

Elek...tra

mein hals, ein fahrstuhl,
in der etage brust
bleibt
er
stecken.

die stille, viel zu
LAUT,
um noch dem
licht lauschen
zu können.

wann öffnet sich die tür?



10.02.08, 17:04:30

Dove

Hallo Elektra,

danke für's Eröffnen dieses Threads.

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Bei Deinem Gedicht tippe ich einmal auf tiefe Trauer.

Zitat:
mein hals, ein fahrstuhl, in der Etage Brust
bleibt er
stecken


Das ständige Hinunterwürgen von Tränen, die beständig auf das Herz oder den Magen drücken.

LG
Dove
10.02.08, 17:26:11

Marcia

Ja, das ist tatsächlich sehr interessant. Wobei ich eher skeptisch bin - keine Bauchschreiberin, ich traue eher dem Kopf, der erst nach größerem Abstand vom Text in Aktion treten kann.

Mein erster Eindruck beim Lesen deines Textes, Elektra, war ein Gefühl von Beklemmung und etwas-nicht-verdauen-können. Dazu kommt dann Überreiztheit. Ich muss aber sagen, dass ich generell Schwierigkeiten habe, mit Lyrik umzugehen.
10.02.08, 18:34:41

atem

Zitat von Elek...tra:
mein hals, ein fahrstuhl,
in der etage brust
bleibt
er
stecken.

die stille, viel zu
LAUT,
um noch dem
licht lauschen
zu können.

wann öffnet sich die tür?





Ja, Beklemmung, Angst, Enge, Stocken, Starre lese ich.
Wobei der erste Teil am stärksten ist. Dann entgleitet der Text (mir) ins Nichtssagende...Unaussprechliches vielleicht.
10.02.08, 18:41:23

Anton

...dann eben was Ermunterndes...

Seele im All

Ja, Seele sein im All, welch schönes Wissen.
Zu sein, zu schaffen, welche Zuversicht.
Und sich im All nicht einfach zu vermissen.
Und diese Welt spricht, ich tu nicht Verzicht

Auf diesen Menschen, wir sind uns zu eigen.
Ein Leben lang sind wir wie Frucht und Kern.
Und überm großen bunten Menschenreigen
Erstrahlt für jeden einzelnen ein Stern.

Ja, das ist schön. Des Lebens lange Kette
Schließt jede Seele ein. Und Ring um Ring
Wird alles Gute schließlich zur Stafette
Und achtet Wurm und Hälmchen nicht gering.

Sei Wurzel, Stängel, Nektar oder Blüte,
Das All behütet dich in ganzer Güte.

Anton
10.02.08, 19:33:45

Elek...tra

Mit Deinem Gedicht verbinde und empfinde ich ein Gefühl der Geborgenheit, Anton. :)
10.02.08, 19:48:18

atem

Anton, dein Text strahlt Aufrichtigkeit und Festigkeit aus.
10.02.08, 20:23:08

atem

Bei Elekras Text fühle ich außerdem Trockenheit.
10.02.08, 21:41:16

Marcia

Ich versuche selten, Emotionen in der Art umzusetzen, dass sie das Thema sind. Dieses Textchen ist wohl eine Ausnahme:

Im Winterwald

Ich stand auf der schmalen Brücke, die über den Fluss führte, sah das geborstene Eis in der Strömung unter mir und über mir den Winterwald am aufsteigenden Hang, den ich – wir mir klar wurde - erklettern musste, um nach Hause zu kommen. Dicht und erhaben sah der Wald aus, und in dem Schatten, den der Berg ins Tal warf, war die Kälte, die von ihm ausging, deutlich zu spüren. Enttäuscht und ein wenig ungeduldig entdeckte ich, dass ich meine Schuhe vergessen hatte: Sie waren in dem Park mit den Orangenbäumen und den mit Spielsachen bepflanzten Beeten geblieben.

Die Luft hier am Hang ist klar, die Konturen sind so scharf, dass sie tief ins Fleisch schneiden, und ich frage mich manchmal, ob meine Schuhe nicht immer noch da unten im Park stehen. Deutlich höre und sehe ich die Schüsse näherkommen (liegt das an der klaren Luft oder meinen geschärften Sinnen), zurück geht es nicht, also weiter; bald wird es rechts und links von mir einschlagen.


10.02.08, 22:10:44

Elek...tra

Bei Deinem Text fühle ich die Angst, Marcia.
10.02.08, 22:19:20

Elek...tra

In meinen Zeilen wollte ich den Kloß im Hals, die Beklemmung, Traurigkeit und Angst darstellen.
10.02.08, 22:33:40

Mia

zu elektras Fahrstuhl
das ist wie wenn jemand nicht zuende atmen kann - Beklemmung und das Licht nicht mehr sehen - das Rasseln in der Brust vermutlich - ersticken - also zwischen Beklemmung und Panik

antons
wirkt leicht und besänftigend - hoffnungen weckend, dass es weiter geht.

marcia
wirkt auf mich wie ein Traum - ein Fluchtweg zwischen Orangenhain und schneidendem dunklem Wald in der Höhe.
Verlorene Kindheit - Angst vor dem Ungewissen - und in der Gegenwart die Schüsse - also auch Gefahr.
10.02.08, 22:35:35

Dove

Zitat von atemholz:
Zitat von Elek...tra:
mein hals, ein fahrstuhl,
in der etage brust
bleibt
er
stecken.

die stille, viel zu
LAUT,
um noch dem
licht lauschen
zu können.

wann öffnet sich die tür?





Ja, Beklemmung, Angst, Enge, Stocken, Starre lese ich.
Wobei der erste Teil am stärksten ist. Dann entgleitet der Text (mir) ins Nichtssagende...Unaussprechliches vielleicht.


ich finde jedoch, daß gerade der 2. Teil den 1. Teil erklärt, denn sonst könnte das Gefühl auch als Wut ausgelegt werden.

10.02.08, 22:36:47

Dove

Anton Dein Text transportiert für mich:

Glaube, Hoffnung und Beständigkeit.

LG
Dove

10.02.08, 22:37:12

Mia

das können nach meiner Meinung auch Herzrhythmusstörungen darstellen, da wird die Luft auch knapp. Dann hab ich aber für das Geräusch keine Erklärung mehr
10.02.08, 22:39:19

Dove

Marcia, bei Deinem Text lese ich Angst und Schmerz.

Übrigens, sehr einfühlsam und nachvollziehbar geschrieben.

LG
Dove



11.02.08, 07:21:06

Marcia

Zitat von Mia:

marcia
wirkt auf mich wie ein Traum - ein Fluchtweg zwischen Orangenhain und schneidendem dunklem Wald in der Höhe.
Verlorene Kindheit - Angst vor dem Ungewissen - und in der Gegenwart die Schüsse - also auch Gefahr.


Genau das ist es. Wobei Angst und Weltschmerz auch mitkommen (sollen).
Ich habe einen archetypischen Traum in diesem Text "benutzt". Diese Träume sind einprägsam, hochemotional und oft lebensverändernd.
Ich sehe meinen Text als Gegensatz zu Antons Text (der mich überhaupt dazu veranlasst hat, meinen Text zu posten). Antons Text drückt für mich ein (kindliches) Geborgenheitsgefühl aus.

Meiner Meinung nach sind Textinterpretationen immer bis zu einem gewissen Grad subjektiv. Warum spricht mich momentan gerade dieser Text an? Warum wähle ich gerade dieses Buch aus?
Mir fällt auch ein, dass ich ein bestimmtes Buch sehr bedrückend und zutiefst deprimierend fand - so sehr, dass ich das Lesen zeitweise unterbrechen musste -, während jemand anderes es als amüsant bezeichnete. Ich denke, ich war für die Ironie des Buches (die sicher bis zu einem gewissen Grad auch amüsant sein konnte) einfach nicht mehr aufnahmefähig.
11.02.08, 08:58:29

Dove

und ein anderes, uns allen bekanntes Gefühl:

Flüstern

im Verborgenen
Knistern in allen Ecken
Sonnenlachen im Gras
grün wächst ein Ohr
ins Schlüsselloch.

11.02.08, 09:10:36

Elek...tra

Ich spüre Neugier. Möchte mehr wissen!
11.02.08, 09:30:27

Marcia

Und ich denke an Frühling...
11.02.08, 09:39:05

Mia

Schmetterlinge im Bauch
11.02.08, 09:43:35

atem

Kitzeln und ein Geheimnis?

Es kribbelt.
11.02.08, 09:46:15

Dove

Hallo Ihrs,

ja, es ist die Neugier. Führlinghaft deshalb, weil Neugier meist den Kindern zugeschrieben wird. Ich jedoch bin der festen Überzeugung, daß es ohne Neugier kein Leben gibt, denn nur Neugier schiebt und drängt uns vorwärts.

Ja, auch Geheimnis, denn diese gilt es zu erforschen. Täglich auf's Neue.

LG
Dove
11.02.08, 10:35:01

Elek...tra

Hier noch eine weitere Emotion:

eine schaukel im wald?
es duftet nach moosen,
lerchensporn und nach
rosafarbener zuckerwatte.

ich dreh mich, dreh mich
um, wie in diesem karussel
damals rummelbummel -
heute hummelbrummel.

taste in der hosentasche
nach meinem schreibblock
und hole den stift hinter
dem ohr hervor, notiere:
Oooh!
 
 
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